Der verwunschene Schupfen
Wie ein altes Wirtschaftsgebäude zu Schreibwerkstatt, Gästelaube und Kinderparadies wurde.

Die Handwerker im Dorf wollten den schwarzen ,Schupfen‘ aus dem 1934er Jahr eigentlich abreißen: zugig, verwittert, vom Holzwurm zerfressen sei er. Doch uns gefiel das schwarze Nebengebäude zum Wienerwald-Mansardenhaus, welches wir zuvor radikal und respektvoll renoviert hatten.

Das Besondere an diesem Projekt ist die spezielle Ausprägung der neuen Wertschätzung, die diesen alten Wirtschaftsgebäuden im Schatten der Wienerwald-Villen heute im besten Fall entgegengebracht wird. Keller oder gar Garagen konnte sich damals in den Dreissigern nicht jeder leisten. Also zimmerte man Schuppen, wo Holz gelagert, Hasen gezüchtet und Wäsche ausgekocht und am Dachboden getrocknet wurde.

Die Wirtschaftsgebäude verloren in den letzten Jahrzehnten ihren Sinn, viele fallen zusammen. Doch das ist schade. Zu kleinen gemütlichen „Sheds“ ausgebaut, dienen sie heute als magische und erschwingliche Rückzugsorte für die Familie oder ihre Gäste.   

Wir setzen also auf der Breitseite des Dachbodens eine großzügige Glasscheibe ein, dämmten den Dachstuhl behutsam und verkleideten die Wände mit grau lasiertem Fichtenholz. Eine Erhöhung wurde gepolstert, so kann der Raum auch als abenteuerliches Gästezimmer dienen.


Eine Falltüre aus edlem Messing verschließt den verwunschenen Ort von dem aus die Eichkätzchen in den Baumkronen beobachtet werden. Unten stehen weiterhin Gartengeräte, Rasenmäher und Obststeigen, oben wird es wohnlich. Das Messing wird abends angestrahlt, das gibt ein gemütliches Licht – auch im eiskalten Winter, wo das unbeheizte Refugium zum Ausdampfen nach dem Saunagang dient.

Gelüftet wird der Schupfendachboden über ein bereits bestehendes Fenster und kleine Lüftungsluken, die an der Seite eingebaut werden. Das Dach haben wir nicht angefasst. Er ist voller Moos. Und das gefällt uns.

 

Fotos: Andreas Buchberger