Marktplatz gesellschaftlicher Energie
Besucherzentrum Kohletagbaukante Ruhrpott : Wettbewerb mit kose licka

Besucherzentrum Kohletagbaukante Ruhrpott : Wettbewerb mit kose licka Landschaftsarchitektinnen

Die besonderen Anforderungen an die Konzeption des Forum:
terra nova liegen in der vorausschauenden Berücksichtigung eines sehr langen Zeitraumes und der planmäßig vollständigen Veränderung der umgebenden Landschaft im Verlauf dieses Zeitraumes. Grund für diese Veränderung ist die energietechnische Verwertung der Braunkohle im Tagebau, ein in der Region wohlbekannter Vorgang, der durch den zukunftssichernden Umstieg auf andere Energieformen einen neuen Aspekt erhält. Wir schlagen vor bereits jetzt an der tiefsten Stelle des Tagebaus eine Erdwärmesammelstelle zu errichten. Sobald in einem Bereich die Braunkohle abgebaut ist, werden dort Wärmetauscher verlegt, bevor der Bereich wieder verfüllt wird. Der Tagebau wird dadurch zur Herstellung eines Erdwärmekraftwerks genutzt, die leer geräumten Kammern des Energieträgers Braunkohle werden im gleichen Zug mit dem Energieträger Erdwärme wieder gefüllt. Um mit diesen gravierenden Veränderungen Schritt halten zu können, ist ein Zentrum zu schaffen, das bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt mögliche zukünftige Nutzungsanforderungen und Angebote mitdenkt. Dieses muss innerhalb des Strukturwandels einen nachhaltig attraktiven Standort mit hoher Anziehungskraft einnehmen, da die für ein Forum notwendige Nutzungsdichte nur erreicht werden kann, wenn verschiedenste Nutzungen und Nutzungsgruppen angezogen und dauerhaft an den Standort gebunden werden können. Aus diesem Grund muss das Forum für:

1. die betriebsbezogene Nutzung (interne Weiterbildung, Schulung, Betriebsfeste, Nachwuchsförderung, Präsentation, Werbung und Kommunikation,..)
2. Bewohner und Bewohnerinnen des Großraumes (Naherholung, interessante Veranstaltungen, Interesse am Baufortschritt, kommunale Feste und Ereignisse,..)
3. externe Besucher und Besucherinnen (Seminare, Tagungen, größere Veranstaltungen wie Konzerte oder Energiefestivals, Forschungscamps, Bildungsfreizeiten etc.) Raum und Anreize bieten.

LÖSUNGSANSATZ
• Eine wachsende Einrichtung, die auf Veränderungen reagieren kann
• Große Offenheit gegenüber verschiedensten Nutzungsformen
• Angebot von Platz, Raum und sehr guter technischer Infrastruktur
• Möglichkeiten für kleine und große Gruppen
• Kurzfristige, spontane Nutzungen ebenso wie mehrtägige Zusammenkünfte (Anreise)

Entwickelt wurde eine gebaute, sinnlich erlebbare Entwicklungsachse, an der sich Angebote kristallisieren. Diese Achse wird als Zeichen für die Erweiterbarkeit und den gesellschaftspolitischen Rang der Aktivitäten „im Landesinneren“, jenseits der 300m Linie verankert und führt leicht ansteigend (6%) zunächst in die Baumkronenregion des Time Parks, an den Aktionsknoten vorbei, bis sie in einem erhobenen Ausblick über dem zukünftigen Grubenrand endet. Sie ist als Trägersystem der Erschließung und der technischen Infrastruktur (Strom, Wasser, Kanal, Telefon, Kabel,..) Energielinie und Anziehungspunkt für „Anlandungen“, Orte und Einrichtungen, die im Zeit- und Nutzungsverlauf notwendig werden. In einem ersten Schritt werden drei Aktionsknoten umgesetzt, die als Initialpunkte entlang der Entwicklungsachse die Grundversorgung sicherstellen.

FORUM
Das Forum wird als kompaktes Plateau (Kulturareal) gestaltet. Auf einer aufgefalteten Trägermatte (Tennenbelag, sandfarbener Kunststoffbelag) sind PKW-Stellplätze, Arenen, Platz und Gebäude mit Veranstaltungseinrichtungen so angeordnet, dass sich unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten ergeben (Platz als öffentlicher Vorraum oder als erweiterter Innenraum, als Veranstaltungsraum mit Freilichttribüne, grubenseitige Tribüne als Beobachtungsposten, oder mit dem vorgelagerten Parkplatz als eigener Veranstaltungsraum, Freilicht-, Autokino,..). Das Gebäude in Stahlleichtbau entsteht durch die Auffaltung des Forums. Es versteht sich mit Cafe und multifunktional bespielbarem Saal als Teil der Veranstaltungsfläche. Eine Treppe führt auf das als Tribüne ausformulierte Dach. Nordseitig sind alle Versorgungsfunktionen angeordnet. Die Anlieferung erfolgt über den westseitigen Erschließungsweg.

RWE HAUSHERRENVILLA
Am Kreuzungspunkt der Energielinie mit Anlieferung und Weitwanderweg wird die Villa des Hausherrn mit Seminarräumen und Büros angeordnet. Sie bietet im Obergeschoss Büros, im Erdgeschoss Seminar- bzw. Präsentationsmöglichkeiten für RWE. Wichtig ist die klare, eigenständige Präsentationsadresse für RWE im Landschaftsband. Der Seminarbetrieb ist getrennt vom RWE Betriebsbüro möglich. LAGER Das Auflager der Energieachse wird als Ort für vermischte Lagerungen verwendet. Da im Umfeld möglicher Veranstaltungen am Forum (Umweltakademie, Schullandwoche, Forschungscamp, Pfadfinderlager, Festival,..) günstige Übernachtungsplätze notwendig sind, wird hier eine Infrastrukturbox als Versorgungseinheit für den Campingplatz errichtet. Eine zukünftige mögliche Erweiterung mit Herberge bis hin zu Urlaubspavillons wirkt sich auch auf die gewünschte Stadterweiterung in Richtung Time Park positiv aus. Das Gebäude bietet eine einfache Grundausstattung. Entsprechend den Erfordernissen ist es als eine temporäre Leichtbaukonstruktion geplant, die bei Erfolg upgegradet werden kann.

FREIRAUMKONZEPT
Der Masterplan konzipiert den Time Park als sehr naturnahes Landschaftsband, dem auch das Parkmanagement entspricht, und das gerade durch die Reduktion der verwendeten Elemente eine hohe Erlebnisqualität garantiert. Deshalb wollen wir die Errichtung der Entwicklungsachse und der Aktionsknoten als Einschub verstanden wissen, der weder das Parkband unterbricht noch eine andere Ausformung des umgebenden Freiraumes notwendig macht. Die Abfolge von Baumrastern und Lichtungen, der punktuelle Schutz der Baumpflanzungen durch dornige Unterpflanzung wird beibehalten, ebenso die sparsam gesetzten Wegeschneisen. Aufgrund des generellen Konzeptes, das das Forum: terra nova als erweiterbares multifunktionelles Freizeit-, Veranstaltungs- und Bildungsangebot interpretiert, das den Tagebau als nur einen unter verschiedenen Aspekten berücksichtigt, sehen wir von einer Verlegung der Grubenrandstraße ab. Die Grube mit der begleitenden Betriebsstraße und der Kette von Lärmschutzwällen wird als Einheit verstanden, die als prägendes Landschaftselement ins Konzept aufgenommen wird. Durch die Unterbrechung der Wallschüttung in Verlängerung des Forums und die Verlegung des architektonischen Walls (Tribüne) in den Bereich des Forums wird die Verbindung zu den Veranstaltungen und dem Hinterland der Grubentätigkeit hergestellt.